Am 18.5.2017 fand auf Initiative von Frau A. Wittgen eine beeindruckende und berührende Performance der Trauerbegleiterin, Frau Chris Paul, statt.
Die Thematik "Macht Schuld Sinn?", basiert auf ihrem gleichlautenden Buch, in dem sie ausführt, wie nach dem Tod von Angehörigen Schuldzuweisungen und Schuldvorwürfe entstehen, diese sich in endlosen Gedankenschleifen verselbständigen und die Betroffenen quälen und belasten. Zudem werden Wege aufgezeigt, mit Schuldvorwürfen umzugehen.
ln der Performance werden Inhalte von Schuldzuweisungen beleuchtet. Chris Paul und Aphrodite verdeutlichen, dass Trauernde dazu neigen, oft lange an objektiv unsinnigen Beschuldigungen festhalten. Schuld kann hier sinngebend sein, z.B. weil sie das Alleisein oder die Ohnmacht erträglich macht.
Die szenische Darstellung von freundschaftlichen Beziehungen anhand unterschiedlicher Tücher war außerordentlich erkenntnisreich. Jedes Tuch symbolisierte gemeinsam Erlebtes, gemeinsame Unternehmungen etc. und wurde damit zur Verbindung und zum Fundament der Beziehung. Durch ein außergewöhnliches Ereignis, hier: Krankheit, wurde die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Während die Eine nicht wagte, sich mitzuteilen, konnte die Andere ihr Versprechen nicht einhalten, was bei ihr tiefe Trauer und Schuldgefühle auslöste. Das ehemals Verbindende, die bunten Tücher, verschwanden aus dem Gesichtskreis. ln zugewandte, behutsame Weise versuchte Frau Chris Paul durch verschiedene Impulse die Erinnerung an das ehemals so positive der Beziehung zu reaktivieren. Erst skeptisch, dann nachdenklich und letztlich erleichtert wurde das immer noch Tragende freigelegt, was zu großer Entlastung und zu einer neuen Perspektive beitrug.
Mögliche Relevanz für die BIGE-Teilnehmer
Für Eltern, die Kontaktschwierigkeiten oder sogar Funkstille zu ihren Töchtern, Söhnen und Enkelkindern haben, kann aus dem Dargestellten ggf. ein kleiner Schritt der Problemlösung abgeleitet werden. Statt sich auf das Trennende, die Verletzungen, Enttäuschungen, Schuldzuweisungen zu fokussieren, kann es hilfreich sein. einen Perspektivenwechsel zu vollziehen.
Gelingt es, das ehemals Verbindende und das Positive der Beteiligten zu sehen, kann eine neue Haltung entwickelt werden. Denke ich negativ, kann ich nichts Positives erwarten, denn das, was ich ausstrahle, ziehe ich an. Wenn ich aufhöre, etwas zu erwarten, ändert sich mein Leben! Statt Selbstmitleid kann sich Selbstmitgefühl entwickeln, das bedeutet, in erster Linie für sich zu sorgen und da zu sein.
Ch., Mitglied der BIGE Köln
