Vortrag von Frau Dr. B. Schönwälder am 12.9. 2017 im Haus der Familienbildungsstätte der Caritas
Frau A. Wittgen, 1. Vorsitzende der Bundesinitiative Großeltern (BIGE) und Frau R. Heuer, Leiterin der Katholischen Familienbildungsstätte Haus der Familie Euskirchen als Gastgeberin, freuten sich über das rege Interesse vieler Zuhörer/Innen an dieser gesellschaftlich so wichtigen Thematik.
Der Vortrag von Frau Dr. Schönwälder gewährte einen tiefen Einblick in das vielfältige Konfliktgeschehen im Bereich familialen Miteinanders.
Sie führte aus: Generationenbeziehungen sind in jedem Fall eine lohnende Situation für alle Familienbeteiligten, wenn es dem Familienverband gelingt, trotz unvermeidbarer interner Auseinandersetzungen die kohäsiven Bande zu stärken.
Eine in sich geschlossene Familie verfügt über ein hohes Ressourcenpotential, aus dem die Mitglieder auf vielen Ebenen schöpfen können. Großeltern mit ihrer Lebenserfahrung, einem reichen Zeitbudget und nicht selten auch mit einem materiellen Polster ausgestattet, entlasten bereitwillig mit ihren Möglichkeiten bei Engpässen. Umgekehrt profitieren sowohl sie als auch besonders die Enkelkinder von einem guten Kontakt zueinander.
Die moderne Version familialen Miteinanders hingegen zeigt ver- und auch zerstörende gesellschaftliche Entwicklungen. Die Zahl der Trennungen in ehelichen wie auch partnerschaftlichen Lebensgemeinschaften steigt. Hinzu gesellt sich ein wachsender Trend, Großeltern aus dem familialen Miteinander auszugrenzen.
Frau Schönwälder konnte in Zusammenarbeit mit Frau Prof. Dr. Braches-Chyrek, Leiterin des Sozialpädagogischen Lehrstuhles der Universität Bamberg, in mehrsemestrigen Untersuchungen nachweisen, dass besonders die Großeltern väterlicherseits Gefahr laufen, dieses Schicksal zu erleiden. Es sind in erster Linie die sorgeberechtigten Mütter, die nach hochstrittigem Trennungsgeschehen alles daran setzen, die Kontakte ihrer Kinder zum väterlichen Familienumfeld konsequent zu unterbinden. Großeltern und Enkelkinder werden von dieser Handlungsweise am meisten getroffen.
Eine weitere Ebene, den Kontakt zwischen Großeltern und Enkelkindern zu unterbinden, liegt auf der Familien internen Ebene.
Dies konnte mit Hilfe von Interviews zwischen betroffenen Großeltern und Studenten/Innen herausgefiltert werden.
Die möglichen Gründe für diesen folgenschweren Schritt sind vielfältig.
Eifersucht: Das gute Verhältnis zwischen Großeltern und Enkelkindern wird zu einem Störfaktor. Häufig spielt in diesem Zusammenhang die psychische Störung eines Elternteiles eine nicht unbedeutende Rolle.
Habsucht: Materielle Unterstützung wird eingefordert. Das Erbe soll bereits jetzt zu Lebseiten der Großeltern den Kindeseltern zur Verfügung stehen. Andernfalls droht Kontaktverbot!
Rache: die Kindeseltern überhäufen ihre Eltern mit Vorwürfen und Anschuldigungen. Der Entzug des Kontaktes zu den Enkelkindern wird als späte Strafmaßnahme für eigenes erlittenes Unrecht verhängt.
Diese Beispiele mögen zur Konkretisierung des Geschehens genügen.
Die Protokolle belegen, die Großeltern leiden und werden krank vor Kummer.
In Selbsthilfegruppen, die nur die Spitze eines Eisberges dieser gesellschaftlichen Entwicklung zeigen, suchen die Großeltern Trost und Unterstützung.
Die betroffenen Enkelkinder, die diesem eisigen Familienklima ausgeliefert sind, leiden nicht nur, sondern ihnen werden entscheidende Grundlagen für eine gesunde, gedeihliche Entwicklung entzogen.
Die quantitative Befragung, als zweite Stütze dieser umfassenden Dokumentation belegt, mit klaren Antworten, die große Bedeutung beider Großelternpaare für das Leben der inzwischen erwachsenen Enkel.
In dem Vortrag wurde auch überzeugend herausgearbeitet, dass sowohl betroffene Enkelkinder und auch Großeltern bei den staatlich zuständigen Institutionen, wie Jugendämter und Familiengerichte, nicht nur keine Unterstützung finden, sondern sich häufig in einer demütigenden und erfolglosen Bittstellerrolle im Kampf um festgeschriebene Rechte für Kinder und Großeltern erleben. Der Staat sollte zur Kenntnis nehmen, dass durch diese Institutionen mit der Berufung auf den Begriff „Kindeswohl“ die Ausübung psychischer Gewalt gegen Kinder begünstigt wird.
Die anschließende Diskussion mit vielen interessanten und anregenden Beiträgen rundete für alle Beteiligten den Vortragsabend ab.
BIGE
